Nachtfotografie: Die Blaue Stunde


Heidecksburg bei NachtFast jeder von uns wird traumhafte Erinnerungen an die Stunden der hereinbrechenden Abenddämmerung haben. Egal ob man den Untergang der Sonne an einem Strand, auf einer Bergkuppe oder inmitten des Trubels der Großstadt erlebt – es ist immer wieder eine beeindruckende und faszinierende Lichtstimmung.

Die „Blaue Stunde“: Sie ist oft besungen worden und sie wird auch von Fotografen geliebt und genutzt. Diese Zeit direkt nach dem Verschwinden der Sonne bis zum Eintritt der völligen Dunkelheit ergibt eine besondere Lichtstimmung, die das Fotografieren beeindruckender Aufnahmen mit Nachtstimmung gegenüber den eigentlichen Nachtstunden deutlich vereinfacht. Oftmals werden diese Minuten nach einem magisch in Rot getauchtem Sonnenuntergang überhaupt nicht mehr von Hobby-Fotografen genutzt, da der Speicher der Kamera schon mit toll eingefangen Sonnenuntergängen gefüllt ist.

Wenn sie es nicht schon ohnehin machen dann schenken sie der Zeit direkt nach dem Sonnenuntergang beim nächsten abendlichen Fotospaziergang noch etwas mehr Beachtung. Natürlich müssen die Wetterverhältnisse stimmen, da an einem verregneten Abend mit vielen Wolken diese blaue Stunde einfach völlig ausfallen kann. In Deutschland gibt es leider nicht besonders viele Tage bzw. Abende, die den idealen Bedingungen dieser magischen Minuten in der Dämmerungszeit entspricht.

Daher ist es auch wichtig, dass man richtig vorbereitet in den Fotoabend geht, wenn er denn schon mal den obigen Kriterien genügt.

Auch wenn man sie Blaue „Stunde“ nennt, man hat hier in Deutschland durchschnittlich nur etwa 30- 40 Minuten Zeit, um diese tollen Lichtverhältnisse im Bild festhalten zu können. In nördlichsten Regionen, wie zum Beispiel in Island, dauert übrigens diese blaue Stunde über 70 Minuten.

Wurzen

Neben der besonderen Stimmung ist besonders eine Tatsache für den Fotografen interessant. Der tiefblaue abendliche Himmel hat eine Helligkeit, die etwa auch die Kunstlichter von Stadtbeleuchtungen bieten. Dadurch fallen die sonst bei Nachtaufnahmen vorhandenen starken Kontrastunterschiede deutlich geringer aus. Das Gelb der Straßen- und Gebäudebeleuchtung ergibt mit dem tiefen Blau des Himmels wunderbare Farbnuancen und Kompositionen.

Wie nutzen wir nun diese magische halbe Stunde? Auf jeden Fall sollte man sich schon vor Beginn dieser Zeit die Motive ausgewählt und das Stativ aufgebaut haben. Ansonsten verliert man wertvolle Zeit, die man am gleichen Tag nicht noch einmal wiederbekommt. Ich persönlich mache immer eine ganze Serie von Aufnahmen eines Motivs, wobei ich die Blenden bzw. Belichtungszeiten um mindestens 3 Stufen variiere. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit der richtigen Belichtung, da in den Abendstunden die Automatik der Kamera durchaus zu Fehlern neigen kann. Außerdem kann man aus den unterschiedlichen Belichtungsreihen dann auch HDR-Fotos zusammensetzen, die dann noch intensivere Nachtaufnahmen erlauben können.

Ich werde oft nach der besten ISO Einstellung für Nachtaufnahmen gefragt. Hier muss man natürlich seine Kamera gut kennen. Wenn man eine sehr gute Spiegelreflexkamera besitzt, die auch bei hohen ISO Zahlen noch rauscharme Aufnahmen liefert, dann ist gegen eine Erhöhung der ISO Zahlen zur Verringerung der Belichtungszeiten nichts einzuwenden. Ganz im Gegenteil, oftmals werden diese Aufnahmen dann sogar noch brillanter als mit ISO 100.

Cassis in der ProvenceDie Wahl der Belichtungszeit hängt von den gewünschten Aufnahmen ab. Großstadtbilder gewinnen oft durch die Farbspiele der Rücklichter vorbeifahrender Fahrzeuge, die man aber nur mit Belichtungszeiten im Sekundenbereich erwischen kann.

Neben allgemeingültigen Hinweisen für Nachtaufnahmen kann ich immer nur empfehlen: Probieren sie es aus. Variieren sie die Einstellungen ihrer Kamera und bewerten sie hinterher am PC die besten Parameter. Verwenden sie diese dann bei den nächsten Abendaufnahmen, variieren sie wieder ein wenig und irgendwann nach wenigen Abenden haben sie ine Gefühl dafür, welche Einstellungen für ihre Kamera die besten Ergebnisse in diesen frühen Nachtzeiten liefern.

Hier sind ein paar Beispiele für Aufnahmen in der blauen Stunde, die ich mit meiner Canon 20D geschossen habe. Die Parameter sind oft in den Bereichen ISO 400, Belichtungszeiten 0,5 – 3 Sekunden, Blende fest auf 8 oder 11 eingestellt. Die Fotos sind in Adobe Photoshop nachbearbeitet, wobei ich dies dann in engen Grenzen mache, um die Originalstimmung nicht zu stark zu verfälschen.

Schloss

Rudolstadt

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